Schutzkleidung in der häuslichen Pflege: Was wann nötig ist
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Das Wichtigste in Kürze
- In der häuslichen Pflege sind drei Schutzkleidungselemente relevant: Einmalhandschuhe, Einmalschürzen und bei Bedarf Mund-Nasen-Schutz – alles andere ist Klinik, nicht Zuhause
- Einmalschürzen werden bei Körperpflege, Inkontinenzversorgung und Wundversorgung getragen – sie schützen die eigene Kleidung vor Kontamination und umgekehrt
- Alle drei Produkte können über das Pflegehilfsmittelbudget (42 Euro monatlich) abgerechnet werden
Inhalt
Im Pflegehaushalt denken die meisten Menschen bei Schutzkleidung an Klinikbilder – vollausgerüstetes Personal in weißen Kitteln. Dabei ist der Standard für die häusliche Pflege deutlich schlanker: Einmalschürze, Einmalhandschuhe, bei Bedarf Mundschutz. Das reicht in fast allen Alltagssituationen – wenn es konsequent eingesetzt wird.
Dieser Artikel zeigt, was wann wirklich nötig ist – und was man getrost weglassen kann.
Was gehört zur Schutzkleidung in der häuslichen Pflege?

Schutzkleidung in der häuslichen Pflege hat zwei Richtungen: Sie schützt die pflegende Person vor Krankheitserregern und Körperflüssigkeiten. Und sie schützt den Pflegebedürftigen vor Keimen, die die pflegende Person einträgt.
Für den Pflegehaushalt relevante Schutzkleidung:
- Einmalhandschuhe: Das Basisschutzkleidungselement bei jeder körpernahen Pflege. Unverzichtbar bei Körperpflege, Wundversorgung, Inkontinenzversorgung, Medikamentengabe
- Einmalschürzen (PE-Schürzen): Schützen die Kleidung der pflegenden Person bei Tätigkeiten mit Kontaminationsrisiko. Einfach, günstig, effektiv
- Mund-Nasen-Schutz: Bei Atemwegsinfekten, Wundversorgung, erhöhtem Infektionsrisiko (ausführlicher im Artikel Mundschutz für die Pflege: OP-Maske oder FFP2)
Was im Pflegehaushalt in der Regel nicht nötig ist: Vollkörper-Schutzanzüge, Gesichtsschutzschilde, Überschuhe. Das gehört in Hochrisiko-Klinikbereiche, nicht in die häusliche Pflege.
Einmalschürzen: Das unterschätzte Kernelement
Einmalschürzen werden in der häuslichen Pflege deutlich seltener eingesetzt als Handschuhe – dabei sind sie genauso wichtig. Eine Einmalschürze aus PE (Polyethylen) ist wasserdicht, schützt die Kleidung vor Körperflüssigkeiten und verhindert, dass Keime von der Kleidung auf den Pflegebedürftigen übertragen werden.
Wann eine Einmalschürze getragen werden sollte:
- Bei der Ganzkörperpflege (Waschen, Duschen, Baden)
- Bei der Inkontinenzversorgung – Windeln wechseln, Einlagen wechseln
- Bei der Wundversorgung, insbesondere bei blutenden oder nässenden Wunden
- Bei Erbrechen, Durchfall oder anderen unkontrollierten Ausscheidungen
- Bei MRSA-Besiedlung des Pflegebedürftigen
Einmalhandschuhe

Für den Pflegehaushalt empfehlen sich Nitrilhandschuhe – latexfrei, reißfest, gut passend. Latexhandschuhe können Allergien auslösen (beim Pflegebedürftigen oder bei der pflegenden Person), Vinylhandschuhe bieten weniger Schutz gegen Durchdringung.
Welche Größe, welches Modell und wie das Pflegehilfsmittelbudget für Handschuhe genutzt wird, erklärt ausführlich der Artikel Nitrilhandschuhe für die Pflege zuhause. Einen Vergleich verschiedener Handschuhtypen gibt es unter Einmalhandschuhe: Nitril, Vinyl oder Latex?
Wann welche Schutzkleidung – die Übersicht
Eine schnelle Orientierung für den Pflegealltag:
- Körperpflege (Waschen, Duschen): Einmalhandschuhe + Einmalschürze
- Inkontinenzversorgung: Einmalhandschuhe + Einmalschürze, bei Durchfall zusätzlich Mundschutz
- Wundversorgung: Einmalhandschuhe + Einmalschürze + ggf. sterile Handschuhe je nach Wundart und Arztanweisung + Mundschutz
- Medikamentengabe (oral): Einmalhandschuhe ausreichend
- Pflegebedürftiger hat Atemwegsinfekt: Einmalhandschuhe + FFP2-Mundschutz
- MRSA-Besiedlung: Einmalhandschuhe + Einmalschürze + FFP2 bei körpernaher Pflege
- Einfache Betreuung, Gespräch, gemeinsames Essen: Keine Schutzkleidung nötig
Richtiges An- und Ablegen
Schutzkleidung schützt nur, wenn sie richtig angelegt und – besonders wichtig – richtig abgelegt wird. Der häufigste Fehler: die kontaminierte Außenseite beim Ausziehen berühren.
Einmalschürze ablegen: Vorne am Hals aufreißen oder den Knoten lösen, ohne die Vorderseite zu berühren. Die Schürze nach innen zusammenfalten (kontaminierte Seite nach innen) und direkt entsorgen.
Handschuhe ablegen: Einen Handschuh an der Außenseite des Handgelenks greifen und ausziehen – den zweiten Handschuh mit der unbekleideten Hand von innen greifen und ausziehen. Beide direkt entsorgen, dann Hände waschen oder desinfizieren.
Reihenfolge beim Anlegen: Zuerst Schürze anlegen, dann Handschuhe – so werden die Handschuhe nicht durch das Anlegen der Schürze kontaminiert.
Reihenfolge beim Ablegen: Zuerst Handschuhe ausziehen, dann Schürze, dann Hände desinfizieren. Wenn ein Mundschutz getragen wird: zuletzt ablegen (Bänder anfassen, nicht die Vorderseite).
Was die Pflegekasse zahlt
Einmalschürzen, Einmalhandschuhe und Mundschutz für die häusliche Pflege können über das Pflegehilfsmittelbudget (42 Euro monatlich ab Pflegegrad 1) abgerechnet werden. Der Antrag läuft formlos über die Pflegekasse – viele zugelassene Anbieter liefern direkt nach Hause und rechnen direkt ab.
Da die Preise für Einmalschürzen und Handschuhe im unteren Bereich liegen, reichen 42 Euro monatlich für einen durchschnittlichen Pflegehaushalt in der Regel gut aus. Wie der Antrag gestellt wird: Pflegehilfsmittel beantragen: Die 42 Euro pro Monat.
Häufige Fragen
Muss ich auch beim Vorlesen oder Gesellschaft leisten Schutzkleidung tragen?
Nein. Schutzkleidung ist nur bei Tätigkeiten mit Kontaminationsrisiko notwendig – also bei körpernaher Pflege, Wundversorgung oder Inkontinenzversorgung. Bei Gesprächen, gemeinsamen Aktivitäten oder Begleitung ohne körperliche Pflege braucht es keine Schutzkleidung.
Kann ich Einmalschürzen und Handschuhe kombinieren und mehrfach verwenden?
Nein. Einmalprodukte sind für eine einzige Pflegemaßnahme ausgelegt. Nach jeder Pflegemaßnahme werden Handschuhe und Schürze entsorgt – auch wenn sie optisch noch sauber aussehen. Keime sind nicht sichtbar. Ein neues Paar Handschuhe für jede Pflegetätigkeit ist der Standard.
Welche Schürzengröße ist die richtige?
Für den Pflegehaushalt sind Universalgrößen (ca. 100-120 cm lang, mit Halsband und Taillenband zum Binden) für die meisten Personen geeignet. Wer sehr groß ist oder eine breitere Statur hat, sollte auf XL-Varianten achten. Im Zweifel: eine Packung ausprobieren, bevor man größere Mengen kauft.
Reichen normale Haushaltshandschuhe statt Einmalhandschuhen?
Nur eingeschränkt. Wiederverwendbare Haushaltshandschuhe sind schwer zu desinfizieren, bieten weniger taktiles Gefühl und können bei falscher Lagerung zum Keimherd werden. Für regelmäßige Pflege sind Einmalhandschuhe aus Nitril die richtige Wahl – kostengünstig, zuverlässig, sicher.
Quellen
- Robert Koch-Institut: Händehygiene und Schutzkleidung in der ambulanten und häuslichen Pflege – rki.de
- Bundesgesundheitsministerium: Pflegehilfsmittel und Schutzausrüstung – bundesgesundheitsministerium.de
- GKV-Spitzenverband: Pflegehilfsmittelkatalog – gkv-spitzenverband.de
Ratgeber-Tipps
Mundschutz für die Pflege: OP-Maske oder FFP2 – wann welcher?Der dritte Baustein der Schutzkleidung: wann eine Maske nötig ist, welche Maske welchen Schutz bietet und wie man sie richtig trägt.→ Zum Artikel Pflegehilfsmittel beantragen: Die 42 Euro pro Monat nutzenSchürzen, Handschuhe, Mundschutz – alles über das Pflegehilfsmittelbudget abrechenbar. Wie der Antrag gestellt wird.→ Zum ArtikelTransparenzhinweis: Diese Seite enthält Partnerlinks. Wenn Sie über einen unserer Links kaufen, erhalten wir eine kleine Provision – ohne Mehrkosten für Sie. Das hilft uns, diesen Ratgeber kostenlos anzubieten. Unsere Empfehlungen sind davon unabhängig.
Autor: Janek Heidemann, Pflegefachkraft – Aktualisiert: April 2026
